In den ersten 20 Jahren des neuen Jahrtausends hat sich unsere Schuel grundlegender gewandelt als je zuvor. Die Gründung der offenen Ganztagsschule in NRW haben wir quasi als Versuchskaninchen 2003 aktiv mitgestaltet. In 2011 kam dann die Etablierung der Schulsozialarbeit hinzu. 2012 wurden wir Schule des Gemeinsamen Lernens und haben uns aktiv gestaltend der Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf gestellt. Viele dieser Veränderungen führten zu einem deutlichen Anwachsen der pädagogischen Personals. Begleitet wurden die Prozesse durch vermehrte Kooperationen zum Beispiel mit dem Münchner Verein Brotzeit e.V., die unseren Kindern kostenloses Frühstück ermöglichen, durch die Teilnahme am EU-Schulobstprogramm, mit der Musik- und Kunstschule Duisburg im Jekits-Programm und darüber hinaus, durch die Vernetzungen mit Sportverein und Kirche sowie Moschee, mit dem Kulturforscherprojekt, das uns Begegnungen mit den Duisburger Museen, dem Theater oder der Deutschen Oper am Rhein ermöglicht ....

Aus einem einst übersichtlichen LehrerInnenkollegium mit etwa 20 Lehrkräften ist eine Dorfgemeinsachft von mehr als 80 Erwachsenen geworden, die sich um Unterricht, Erziehung, Fürsorge und Betreuung um unsere Schulkinder kümmern. Das was im Kindergartenbereich mit der Gründung der Familienzentren ab etwa 2010 vom Familienministerium installitert wurde, haben wir als Stadtteilschule im schulischen Bereich parallel umgesetzt.

In all dieser Zeit ist unsere Schule zudem wieder deutlich gewachsen. Nachdem es vorübergehend um 2010 nach einem deutlichen Schülerrückgang aussah und die Stadt Duisburg Grundschulen schloss (die ehemalige Grundschule Goerdeler Straße und die Ochtropschule) steigen die Geburtenzahlen und die Klassen sind voll. Nun stehen wir an der Schwelle zu einem Ausbau hin zu einer großen vierzügigen Grundschule, die neue Räumlichkeiten erhalten soll. Wie an so vielen Weggabelungen ist auch diese eine, die unserer Schule Möglichkeiten bieten, endlich auch räumlich zukunftsfähig zu werden damit das gelingt, was unsere Schule schon immer prägte: eine gesunde Mischung aus Tradition und Moderne.

Mit dem Ende der 90er Jahre des letzten Jahrtausends kommen auf die Grundschulen große Herausforderungen zu. Mehr und mehr werden von außen Forderungen an Schule herangetragen. Schule soll selbstständiger werden, Schule soll sich viel stärker dem Wettbewerb mit anderen Schulen und mit anderen Nachbarländern stellen.

 

Vieles an unserer Schule was sich bewährt hat, versucht die Schulgemeinde zu erhalten. Was an Neuem gefordert wird, wird versucht mit Bewährtem zu verschmelzen statt es zu ersetzen.

 

Ich könnte eine Menge an Aktivitäten der letzten Jahre auflisten und damit diese ganze Seite füllen von der morgendlichen Sprachförderung, den Kontakt zu einer holländischen Grundschulen, den vergangenen drei großen Schulfesten (Spielefest, der 70. Geburtstag der Schule, das Herbstfest), die zahlreichen Baumaßnahmen, die Umgestaltung der Schule zu einem farbenfroheren Haus des Kindes, die Einrichtung einer Bücherei, eines Computerraumes, die Neugestaltung der Küche, der verbesserte Kontakt zu den Kindergärten, die erhebliche Ausweitung der Elternarbeit, das Ringen um gemeinsame Erziehungsvereinbarungen von Lehrern, Eltern und Kindern und und und.

 

 

 

Ob es uns gelungen ist oder gelingen wird, gute Tradition zu bewahren und sinnvolles Neues zu bauen, zeigt sich immer erst im Abstand vieler Jahre.

 

 

Unsere Schule ist seit zwei Jahren eine offene Ganztagsschule. Wir arbeiten mit dem Düsseldorfer Verein Aktion Kind und Kultur e.V. (AKKI) zusammen. Kinder können täglich bis 16.00 Uhr in der Schule neben dem Unterricht spielen, ihre Hausaufgaben erledigen, zu Mittag essen, ihre Freizeit verbringen und aus den Projektangeboten vom Malen, Theater spielen, Tanzen, Jonglieren bis hin zum Werken oder Filmen wählen. Zu den 15 Lehrerinnen ist eine Vielzahl von Betreuerinnen, Erzieherinnen und Künstlerinnen und Künstlern als Personal in die Schule dazugekommen. Aus 15 Personen, die mit Kindern an unserer Schule arbeiten, wurden 30.

 

Der anerkannte Professor Thomas Rauschenbach von der Universität München hat zur Ganztagsschule in einem Vortrag nach einem Jahr erster Erfahrungen in Deutschland vor vielen Fachleuten Folgendes gesagt:

 

Das Projekt Ganztagsschule ist, davon bin ich überzeugt, der folgenreichste Eingriff in das System Schule in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Vielleicht wird dies erst aus der Distanz und im Nachhinein sichtbar werden. Ich kenne jedenfalls kein ähnlich gelagertes Unterfangen, das die Lern- und Lebenswelten aller beteiligten Akteure, der Kinder und ihrer Familien, der Lehrkräfte sowie des nicht-unterrichtenden Personals - so nachhaltig verändert, wie dies mittelfristig beim Projekt Ganztagsschule der Fall sein dürfte. Und ich kenne kein pädagogisches Projekt, das so ambitioniert ist, dass es fast alle zur Verfügung stehenden pädagogischen Instanzen für das Kindes- und Jugendalter mobilisiert - vom Kindergarten über die Schule bis zur Jugendarbeit (...).

Familien, ergänzt um die real existierende Halbtagsschule, reichen als Orte des Aufwachsens, des Lernens und der Bildung nicht mehr aus, um den Anforderungen an Bildung, Betreuung und Erziehung des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden."

 

Das hört sich sehr theoretisch an. Wer mit Kindern arbeitet, muss aber zuallererst Praktiker sein.

 

Ob es uns wirklich gelingt, Schule zu einem Lebensraum für Kinder zu machen, in dem gerne und gut gelernt wird, in dem Freizeit verbracht wird und in dem Pädagogen wie Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Sozialpädagogen Hand in Hand arbeiten und Eltern ihre Kinder nicht nur gut versorgt wissen, sondern selber noch dazu beitragen, indem sie sich für Schule interessieren und aktiv mithelfen, liegt nicht nur in unserer Hand.

Aber ist dies ein Grund, sich nicht auf den Weg zu machen?