Diese Seite erzählt die Geschichte unserer Schule in vier Kapiteln:

Barackenschule in Vierlinden

Die Geschichte unserer Schule beginnt mit einem Vorspiel von 9 Jahren. 1921 werden je eine katholische und evangelische Schulbaracke am alten Vierlindener Bahnhof errichtet. Die Schulen sind zweizügig.
Schon damals ziehen die Vereinigten Stahlwerke (später ATH), einige Jahre später auch die Schachtanlage Walsum wie die Menschen an. Die Kinder der Siedler leben in den Schwerpunkten Bahnhofstraße - Am Watereck - Herzogstraße - Teutonenstraße - Römerstraße. Dazu kommen die von den Engländern hingestellten "Nissenhütten".

Außer den eingesessenen Bauern und Geschäftsleuten stammen die Menschen aus Elsass-Lothringen, Saarland, Oberschlesien, Posen und Österreich.

In den Klassen waren 45 bis 60 Kinder. Es gab eine Klasse für die Größeren und eine Klasse für die Kleineren. In einer Klasse waren aber Kinder unterschiedlichen Alters. So gab es in der Klasse für die Kleineren Kinder von 6 bis 10 Jahren.

Damals gab es einen Lehrer an unserer Schule, der sich sehr für die Natur begeistert hat. Kein Insekt, kein Reptil oder kleines vierbeinige Lebewesen war vor den Injektionsspitzen von Lehrer Haas sicher. Er präparierte die toten Tierchen und zeigte sie dann im Naturkundeunterricht den Kindern.

Die Schule zu Beginn der 30er Jahre

Im März 1930 wird dann ein 16 klassiger Schulneubau an der Vennbruchstraße eröffnet, der Nordflügel für die katholischen, der Südflügel für die evangelischen Schüler. Damit beginnt der 1. Lebensabschnitt unserer Schule.

Der Einzugsbereich der Schule wächst: "Eine mustergültige Gemeindesiedlung hat die Bürgermeisterei an der Vennbruchstraße geschaffen." In den frühen 30er Jahren sind die Milchspeisung und die Weihnachtstüte des Winterhilfswerks für die Schulkinder erwähnenswert. Denn viele Menschen waren damals sehr arm.

Die Schule zur Zeit des Nationalsozialismus

Der 2. Lebensabschnitt unserer Schule liegt in der Nazizeit.

Auch in unserer Schule machte sich die Hitler-Zeit bemerkbar. Stand früher das morgendliche Schulgebet am Anfang der Unterrichtsstunde, änderte sich dies ab 1933 schlagartig. Lehrer und Schüler mussten sich nun immer zu Beginn der Unterrichtsstunde mit dem Hitlergruß begrüßen.

Die Christuskreuze, die an der Stirnseite aller Schulklassen hingen, waren vor der Hitlerzeit in der Kirche gesegnet worden und in einer feierlichen Prozession in die Schule getragen worden. Nun mussten die Kreuze abgenommen werden und an ihrer Stelle ein Bild vom Führer Adolf Hitler aufgehängt werden.

Es gab Schüleraufmärsche und auf Schulzucht wurde sehr viel Wert gelegt. Der Schulhof war Sammlungsplatz für Großveranstaltungen aller benachbarten Schulen im Walsumer Norden.

Es gab nur wenige mutige Menschen, die ihre Meinung sagten, auch wenn es die Nazis nicht gerne hörten. Ein solcher Mann war der erster Priester Vierlindens, der in der Elisabethkirche predigte, Pfarrrektor Josef Helmus. Er kritisierte in seinen Predigten die Unterscheidung von guten und schlechten Rassen, für ihn war der Glauben an Gott wichtiger als der an den Führer Adolf Hitler.

Pfingsten 1935 wurde der Pfarrer Helmus verhaftet und durfte nicht mehr in St.Elisabeth predigen und auch keinen Religionsunterricht mehr halten. Er hat den Nationalsozialismus im Konzentrationslager Dachau überlebt.

Die Nachkriegsjahre

In den ersten Monaten nach Kriegsende wurde die Schule von britischen Soldaten als Kasernenunterkunft genutzt. Im April 1946 beteiligten sich 84 % der Eltern an einem Elternentscheid. Sie entschieden sich zu 100 % für die Wiedereinführung der konfessionellen Schule.

Am 24. April 1946 begann die Schule wieder mit dem Unterricht. Die katholischen Kinder wurden im Nordflügel, die evangelischen im Südflügel unterrichtet. Im Mai 1946 werden in einer feierlichen Prozession die Kreuze wieder von der Kirche zur Schule gebracht.

Die Vereine in Vierlinden und die evangelische und katholische Kirchengemeinde brauchten das Schulgebäude ebenfalls für ihre Versammlungen. Von morgens 8 Uhr bis abends 18 Uhr wurde die Schule jeden Tag genutzt.

Die vielen Kinder mussten in Schichten unterrichtet werden, manche Kinder morgens, die anderen nachmittags.

Aber von richtigem Unterricht konnte gar keine Rede sein. Rektor Bernsmann, der gerade aus seiner Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war, schildert diese Zeit in der Schulchronik:

"Die Schülerzahl stieg stetig (1946: 858 Kinder). Traurig aber sah es mit der Betreuung aus. Zeitweilig mußte eine Lehrperson drei Klassen betreuen. Außer Suppe austeilen, Nachsehen und Ausgeben von Schularbeiten konnte kaum etwas anderes getrieben werden. Die Folgen blieben nicht aus. Kenntnisse nichts. Die Lehrpersonen reiben sich auf, um notdürftig den "Haufen" zusammenzuhalten. Keine Kinder waren so verwahrlost wie die Vierlindener (.....)

Dazu kam, daß durch das Freistehen des Gebäudes dies der Tummelplatz für alle möglichen Elemente war. Alles war geplündert. In den Trümmern und Schuttmassen der zertrümmerten Lehrmittel, die auf Söller, im Keller und anderen Räumen umherlagen, gab's immer noch was zu holen. Selbst Inventar wurde noch fortgeschleppt. Was die Engländer nicht mitgenommen hatten, holten "bedürftige" Zivilisten heraus."

In dieser Zeit versucht Rektor Bernsmann aus Holzresten selber Schulmöbel zusammenzuzimmern, damit die Kinder im Unterricht wenigstens sitzen konnten.

Die große Not machte es den Kindern schwer, sich auf den Unterricht zu konzentrieren. Für viele war die warme Suppe, die unten in unserer Schulküche ausgegeben wurde, das einzige Essen, das sie am ganzen Tag bekamen.

Unsere Schule in den 50er Jahren

Mit der langsamen Rückkehr ins zivile Leben nach dem 2. Weltkrieg beginnt der 3. Lebensabschitt unserer Schule.

1952 wechselte die evangelische Volksschule in Vierlinden den Standort und zog in das Gebäude an die Karlstraße (die heutige Ochtropschule), in unserem Schulgebäude blieben die katholischen Kinder.

Man schämt sich aber noch 1955, das 25 jährige Jubiläum in den Schulräumen zu feiern, weil ihr Bauzustand immer noch erbarmungswürdig ist. Bis 1955 gibt es Klassen, die einen Altersunterschied von 5 Jahren in ihrem Schülerbestand haben. Trotzdem freut sich der Schulleiter Bernsmann über viele Klassen, die "mit 26 bis 39 Kindern ein schönes ideales Arbeiten hatten."

Erst seit 1955 rücken wieder mehr junge Schüler nach, als entlassene abgehen. Es beginnt die lange Zeit überfüllter Schuljahre und akuten Lehrermangels.

Übrigens fahren die größeren Kinder seit diesem Jahr ins Schullandheim Thalfang im Hunsrück, und zwar 3 Wochen lang.

Im September 1957 gibt es eine schlimme Grippe-Epidemie in Walsum wie auch im ganzen Bundesgebiet. Tragisch: Ein Mopedunfall im Jahr davor, der überfüllte Martinszug mit schwerem Unfall am Feuer, zwei Kinder unter den Pferdehufen und die Überlastungen in der Grippephase der Schule kosten wohl den Schulleiter Bernsmann das Leben. 1958 wird die Schule endlich grundlegend saniert und der Mittelteil des Schulhofes asphaltiert.

Mit dem Jahre 1959 beginnt mit dem Schulleiter Wolke eine neue Zeit der engen Verbindung von Schule und Pfarrgemeinde St.Elisabeth. Galionsfiguren sind Herr Wolke, Dechant Bornefeld und Kaplan Wilmsen. Es sind ja fast ausschließlich die Kinder unserer Schule, die bei der DJK Sport treiben, zur Kommunion gehen, als teils Ehemalige gefirmt werden oder ins Ferienlager fahren. Entsprechend eng ist die Zusammenarbeit mit den Eltern. Jedes Jahr gibt es einen lustigen Elternabend im Gemeindehaus unter Federführung der Schule. Außerdem finden die Entlass-Feiern der 8.Schuljahre dort statt.

1959 errichtet die DJK Vierlinden ihren Sportplatz, der auch für sportliche Veranstaltungen unserer Schule benutzt werden darf. Kurz darauf wird ein 2,50 m hoher Zaun um die Anlage gezogen, um Vandalismus vorzubeugen. Ein gewisser Reiner K. machte dort zahlreiche Sprengversuche mit den Ingredienzen seines Chemiebaukastens.

Das kürzlich fertiggestellte Lehrschwimmbecken an der Herzogstraße wird wie das brandneue Hallenschwimmbad an der Prinzenstraße ab nun regelmäßig aufgesucht. Überhaupt beginnt eine lange Zeitspanne vielseitiger sportlicher Aktivitäten: Bannerwettkämpfe, Schwimmwettkämpfe, Stadtsportfeste, Turniere in Fußball und Basketball.

Schon 1959 gibt es den Ausflug in den Duisburger Zoo incl. Spielwiese für die Kleinen. Außerdem werden viele Fußwanderungen in die nähere Umgebung und Kreisrundfahrten für die 4.Schuljahre durchgeführt. Zu Sankt Martin stellen Menschen Kerzen und Allerseelenlichter in die Fenster entlang  der Wegführung des Martinszuges. Es gibt noch viele Jahre den Brauch, in der Schule selbstgemachte Fackeln zu prämieren, ebenso in ganz Walsum.

Ein Zeitungsartikel zu dem Elternabend eines 4.Schuljahres zeigt einiges vom Verständnis der Zusammenarbeit zwischen Lehrern und Elternschaft:

"Aufgabe und Pflicht der Eltern sei, mit dem Pädagogen zusammenzuarbeiten im Interesse der Förderung der Kinder. Man solle die Kinder nicht nur zum regelmäßigen Schul- und Kirchenbesuch, sondern auch zu den täglichen Pflichten anhalten, worunter auch die Überwachung der häuslichen Schularbeiten falle. Der Pädagoge sei keineswegs ... ein reiner Wissensvermittler. Vielmehr trage er Verantwortung vor den Eltern und seinem eigenen Gewissen. Diese Verantwortung könne ihm von den Eltern nicht abgenommen werden, aber erleichtert werden. Bestrafungen von Schülern dienen zur charakterlichen Erziehung in der schulischen Gemeinschaft."

Unsere Schule in den 60er Jahren: Elisabethschule

Seit 1960 heißt unsere Schule fast ein Jahrzehnt Elisabethschule benannt nach der heiligen Elisabeth, Schutzpatronin der Armen.

Ab 1960 herrscht ein katastrophaler Lehrermangel. Es wird dazu eine gemeinsame Eingabe von Schulpflegschaft und Schulleitung auf den Weg gebracht. Es gibt so starke Unterrichtskürzungen, dass Herr Wolke den Schulleiter einer anderen Schule bittet, die Schullandheimfahrt zu übernehmen, weil er keine Lehrer abstellen könne.

Als besondere Veranstaltungen gelten die Besuche des ersten Glasbläsers in der Schule und eines Reptiliennarren mit lebenden Echsen und Schlangen. Im Jahre 1960 kommt der - tote - Pottwal Jonas auch nach Walsum auf Showtournee.

Zu Sankt Martin werden zum ersten Mal Klassenlaternen gebaut, um die Klassenverbände besser zusammenzuhalten.

Die erste Teilzeitsekretärin in der Schule tritt ihre Arbeit an, "eine Verwaltungsangestellte, die die allmählich überhandnehmende reine Verwaltungsarbeit, in erster Linie natürlich den Schriftverkehr, erledigen und dem Schulleiter die Arbeit erleichtern soll."  Bis hierhin ist es nämlich üblich gewesen, dass der Schulleiter diese Arbeiten selbst macht. Der zweite - katholische - Kindergarten nach dem Kindergarten im Jugendheim wird am Bremmenkamp errichtet. Um 1960 herum muss noch sehr mit der Schulverwaltung um Klassenausstattung und dingliche Zuteilungen gekämpft werden. Ein hartes Ringen endet mit einem Weihnachtsgeschenk. 
Schulleiter Wolke :

"Angefangen hat dieser Krieg um die Ausstattung der Schulküche, als ich... feststellen musste, dass die Bestecke, mit denen die Kinder essen sollten, zum Teil grünspanüberzogen waren, dass das Porzellan fast restlos schadhaft war und dass schließlich der Eindruck der ganzen Küche nichts von einladender Stimmung vermittelte."

Das harte Ringen endet mit der "anheimelnden" Neueinrichtung eines Aufenthaltsraumes der Küche nebst neuem Besteck und Geschirr. Die Neueinrichtung umfasst 5 Ausziehtische, 24 Polsterstühle, 1 Sisalteppich, 2 neue Deckenlampen, 2 Fenstervorhänge, 1 Heizungsverkleidung.

Zwischen 1961 und 1964 werden die Polio-Schluckimpfungen durchgeführt. 1961 startet das Schulfernsehen Veranstaltungen für Lehrer, um als Unterrichtsbestandteil angenommen zu werden.

Eine wilde Müllkippe hinter der Schule wird endlich aufgelöst. Der Inhalt wird abgefahren, der vorhandene Graben zugeschüttet und der Boden plattgewalzt. Eine grosse Rattenplage macht dies notwendig. Der Hund des Hausmeisters Biniarz bringt an einigen Tagen 8 - 10 Ratten im Heizungskeller zur Strecke.

Der Schulhof soll - nach entsprechenden Arbeiten der Stadt - zum mittäglichen Spielplatz für alle erweitert werden.

1962 wird zum ersten Mal ein "Schwimmbus" gestellt. Trauriger Anlass sind die schrecklichen Vorfälle von Kindermord und Vergewaltigung von Kindern im Kreis Dinslaken. Die Stadthalle Walsum wird eingeweiht. Auch unsere Schule profitiert vom Sportbereich. Es erfolgt die Einrichtung des Schülerlotsendienstes über die B 8 für den stetig wachsenden Anteil von Schülern aus Vierlinden-Ost.

Auf Kreisebene wird der erste Vorlesewettbewerb für alle Schulen eingeführt.
Der Winter 62/63 bis März geht als sehr harter "sibirischer Winter" in die Schulgeschichte ein. Allerdings ist er nicht so zwingend wie der Winter von 29/30, als man über den Rhein zu Fuß nach Orsoy gelangt. Zum ersten Mal an unserer Schule  wird der Ausländeranteil der Schulkinder in der Schulchronik erwähnt: "eine Engländerin, ein Holländer, 4 Bambinos aus Italien und ein kleiner Spanier."
1964 gibt es einige Änderungen in der Schullandschaft Walsums. Die katholische Geschwister-Scholl-Volksschule wird in Vierlinden-Ost eröffnet. Das 9.Schuljahr an Volksschulen wird politisch auf den Weg gebracht. Der dritte - katholische - Kindergarten an der B8 in Vierlinden-Ost öffnet seine Türen.

Zum ersten Mal strömen Junglehrer vermehrt in die Schulen und verringern  den Lehrermangel. Dazuhin ergänzen die "Mikater" und "Mikät(z)chen" - die Aushilfslehrer unter Landeskultusminister Mikat - die Lehrerschaft.

1965 bekommt unsere Schule eine Sprechanlage. Der dreiwöchige Aufenthalt im Schullandheim Thalfang findet zum ersten Mal schon im 4. Schuljahr statt. Allerdings gibt es politische Bestrebungen, solche Aufenthalte nur noch für die obersten Klassen zu gewähren.

Zwischen dem 01.04.66 und dem 31.07.67 laufen die beiden Kurzschuljahre ab, um die Voraussetzung für den einheitlichen Schulbeginn im ganzen Bundesgebiet zum Herbst 1967 zu schaffen: vorher das neue Schuljahr nach den Osterferien, danach nach den Sommerferien. So beginnt problemlos auch die Einführung des 9. Schuljahres, wofür das zweite Kurzschuljahr genommen wird.

1967 wird endlich die langersehnte Turnhalle auf dem Schulgelände fertiggestellt. Auch andere Schulen und die DJK Vierlinden dürfen sie benutzen. Es gibt die erste - vorübergehende - Vollbesetzung des Lehrerkollegiums an der Elisabethschule

Aus der Elisabethschule wird die Grundschule Vennbruchstraße

Nach einem turbulenten Jahr der Anbahnung eines neuen Schulsystems wird jede Volksschule 1968 in Grundschule und Hauptschule aufgeteilt. Am 25.06.68 wird die Aufhebung der Volksschule und die neue Aufteilung der Schulen verkündet. Es werden die Grundschulen und Hauptschulen in Walsum mit Schulleitern und Lehrerkollegien bekanntgegeben. Ab jetzt gibt es 6 Hauptschulen und 18 Grundschulen auf Walsumer Gebiet. Herr Wolke wird Leiter der Grundschule an der Vennbruchstraße mit den Kolleginnen Warmt, Prangenberg und Kemen und dem Kollegen Rosenberger.

Da unsere Schule nun Gemeinschaftsgrundschule wird, endet ihr 3.Lebensabschnitt. - Es beginnt der 4.Lebensabschnitt unserer Schule.

Die Grundschulkinder fahren ab jetzt ins Schullandheim Bronsfeld in der Eifel, und zwar 14-tägig. 1969 existieren neben den 6 Hauptschulen nur noch 12 Grundschulen in Walsum. 4 Schulen bleiben konfessionell.

1970 wird an unserer Schule der erste Schulkindergarten mit zwei Gruppen eingerichtet. Ab jetzt bildet das Lehrerkollegium einen Kegelclub.

Für die Grundschulen werden neue Lehrpläne erstellt. Der Sachunterricht wird eingeführt, es gibt die Sexualerziehung und - für einige Jahre - die "Mengenlehre" in Mathematik.

In den nächsten Jahren werden alle Walsumer Schulen mit vielen Multimediageräten ausgerüstet und auch das Schulfernsehen hält Einzug in die Schulen. Im Rahmen des Sachunterrichts besucht ein Kleinzoo mit Schlange, Affe und Stinktier die Schule: "allgemeine und echte Begeisterung, auch bei den Lehrern."

Es erfolgt eine interessante, gemeinsam vorgetragene verkehrspolitische Initiative von Elternschaft und Lehrerschaft: Nach dem Ende einer größeren Veranstaltung in der Schule wird auf der Bahnhofstraße beinahe ein Kind überfahren. Es gibt dort keinen Verkehrsüberweg. Während der Regierungspräsident von zu geringer Verkehrsdichte spricht, weist die Schule darauf hin, dass 3 Räume aufgrund des Verkehrslärms nicht als Klassenräume zu benutzen seien. Dabei solidarisiert man sich mit dem gegenüberliegenden evangelischen Kindergarten. Nach vielen abgelehnten Eingaben an das Straßenverkehrsamt Dinslaken versucht man es nun mit Druck über die Presse. In den nachfolgenden Jahren tut sich sehr viel in der Verkehrserziehung. Angefangen mit dem Verkehrsbus auf dem Schulhof bis zum Bau der Jugendverkehrsschule an der Sternstraße, begleitet von Verkehrsaufklärung der Polizei in den Schulen gibt es viele Aktivitäten.

 

Unsere Schule in den 70er Jahren

Unsere Schule wird Versuchsschule in Walsum. Es geht um Förderklassen für Kinder von damals als Gastarbeiter bezeichneten Familien. Es wird je eine türkische und eine italienische Förderklasse gebildet. Die Kinder werden mit einem Busdienst gebracht. Im Gegenzug gibt es dafür eine bessere Lernmittel-Ausstattung und je eine türkische und italienische Lehrkraft für die Klassen. 36 türkische und 16 italienische Schüler bilden diese Klassen. Wichtig für das Versuchsschulkonzept sind auch die zwei Gruppen des Schulkindergartens.

Insgesamt verbessert sich auch die Lehrerausstattung in der aber weiterhin bestehenden Zeit des Lehrermangels. Demnächst dürfen auch Sportübungsleiter aus Vereinen in der Grundschule unterrichten. Daraus zieht auch unsere Schule Nutzen.

1971 wird die Pausenhalle auf dem Schulhof errichtet. An der Nord- und Ostseite werden neue Fenster eingesetzt. Kurz darauf wird das gesamte Schuldach neu eingedeckt.

Die Lernmittelfreiheit läuft aus. Demnächst werden die Schulbücher nur noch ausgeliehen und müssen später zurückgegeben werden.

In unserer Schule wird zum ersten Mal der türkische Nationalfeiertag festlich begangen. Als Beispiel für versuchte Integration von Ausländern findet in der Pfarrgemeinde St.Elisabeth ein gemeinsames Fest statt. Es beginnt auch eine Hausaufgabenbetreuung für türkische/italienische Kinder. Später wird in unserer Schule das Silentium für türkische Kinder eingeführt.

1974 gastiert der bekannte Hamburger Schul-Zoo Renz in der Schule: "Pythonschlange 3,50 m, Fischotter, Fliegender Hund, Greifstachler, Wickelbär, Leguan, Skunk, Langohr-Igel und Rhesusaffe" als lebende Beispiele aus allen Weltgegenden.

Zum neuen Schuljahr gibt es schon zwei türkische 1.Klassen. Insgesamt wird die Rekordzahl von 6 Einschulungsklassen (4 Regelklassen und 2 Vorbereitungsklassen mit türkischen Kindern) erreicht. Entsprechend steigen die Raumprobleme.

Im gleichen Jahr läuft die italienische Klasse aus, mangels Masse.

1975 wird Walsum wie Homberg und Rheinhausen nach Duisburg eingemeindet. Ab diesem Jahr ist das Problem Lehrermangel an unserer Schule gelöst.

Es erfolgt eine gründliche Überholung unserer Schule:

Einbau neuer Schwenkfenster an der West- und Südseite und neuer Metall-Außentüren, Anbringung neuer Garderobenbänder, Versehung der Türen mit Stahlzargen, Ausbesserung der Fußbodenplatten, Umbau eines ehemaligen Klassenraums zum Lehrerzimmer, Neueinrichtung des Rektorzimmers, Erneuerung des Schlüsselsystems.

Zum ersten Mal wird den Schulen die kostenlose Duisburger Hafenrundfahrt angeboten. In die erfreulichen Nachrichten von der Stadt Duisburg fällt ein Wermutstropfen. Es wird keine Unterstützung für die Martinszüge gewährt, weder finanziell noch organisatorisch. Aber durch Wirbel in der Presse - wo sind die noch 1975 für Walsum bereitgestellten Mittel geblieben? - erfolgt der Martinszug noch einmal wie üblich.

Nun gibt es nur noch die 5-Tage-Schulwoche an Grund-, Haupt- und Sonderschulen. Nach zwei Jahren Gerangel ist sie endlich durch. Vorher ist auch der Samstag Unterrichtstag gewesen.

Die Auflistung ausländischer Schüler 1975: 75 Türken, 6 Italiener, 2 Marokkaner, 2 Spanier, 2 Jugoslawen, einen Algerier, einen Südkoreaner und einen Holländer, also 90 Kinder.

1976 werden die ersten Legasthenie-Tests durchgeführt. Anerkannte Kinder werden vor schlechten Noten im Deutschen bewahrt und zusätzlich gefördert, entsprechend ihrer Lese/Rechtschreib-Schwäche. Im gleichen Jahr werden die Zeugnisse der 1. und 2.Klassen neugefasst. Sie bestehen aus viel Text zu Arbeits- und Sozialverhalten sowie Leistungsfortschritten in den Fächern, nicht mehr aus Zensuren. Außerdem gibt es am Ende der 1. Klasse keine "Sitzenbleiber" mehr.

Endlich lässt man sich auf Landesregierungsebene darauf ein, viele Junglehrer, die "auf der Straße liegen", einzustellen und kleinere Klassen zu bilden.

Leider wird schon nach so kurzer Zeit der Sinn von Schulkindergärten in Frage gestellt.

Nachbarschaftshilfe - Vierlindener helfen "Gastarbeitern"

In den 70er Jahren ziehen vermehrt "Gastarbeiter" nach Vierlinden. An unserer Schule waren es vor allem Menschen aus Italien und der Türkei die kamen und in den meisten Fällen auch blieben. Viele von ihnen sind mittlerweile in der dritten Generation Duisburger und Deutschland ist ihre Heimat geworden.

Wie schon in den 20er Jahren als vorwiegend Familien aus Polen und Lothringen nach Vierlinden kamen, gab es manche deutsche Familie, die den Neuankömmlingen die Integration erleichterten. Ab 1983 wurden Vorbereitungsklassen, die es eine zeitlang an unserer Schule gab, endgültig abgeschafft. Heutzutage bedeutet ein Migrationshintergrund nicht zwangsläufig, dass die Kinder mit einer anderen Muttersprache, schlechter deutsch sprechen als andere. Und bei manchen sogenannten Migrantenfamilien ist deutsch zur Muttersprache geworden.

Über das Schicksal einer türkischen Familie, die ANfang der 70er Jahre nach Vierlinden kam und herzlich aufgenommen wurde, berichtete die Presse 2015:

In unserer Schule bekommen alle Klassenräume Waschgelegenheiten. 1977 findet die erste Radfahrprüfung unter den Augen der Polizei statt.

Die Schülerzahlen sinken nach langen Jahren auch bei uns. Der Lehrer-Kegelclub existiert immer noch. Die Martinszüge finden auch in Zukunft statt, weil die Eltern lieber den freiwilligen Elternbeitrag erhöhen wollen, als den Martinszug ausfallen zu lassen.

Ab 1978 spart die Stadt bei dem Reinigungspersonal für die Schulen ein und stellt die Hausmeister finanziell schlechter. Im Jahr 1979 steigt eine bis dahin einmalige Aktion an unserer Schule. Eltern, Schüler und Lehrer gestalten an Samstagen den Schulhof und die Pausenhalle mit Gemälden und Kinderspielen. Zum Tag des Kindes wird ein großes Schulfest zum schönen Ereignis, später ebenso ein großer Adventsbazar mit Cafeteria und Flohmarkt. Die letzten beiden Aktivitäten werden nun regelmäßige Bestandteile des Schullebens.

Unsere Schule begeht ihr 50jähriges Jubiläum mit einer von den Lehrer/innen - einschließlich Theke und Kellnern - gestalteten Feier im Josefshaus.

Unsere Schule in den 80er und 90er Jahren

Ab 1980 haben wir nur noch eine Gruppe im Schulkindergarten.

Zum vorweihnachtlichen Adventssingen treten diesmal zusätzlich Trompete und Horn auf. Dieser Brauch verschönert wie der Nikolausbesuch und der Martinszug über die Jahre hinweg den Schulalltag.

1981 bietet unsere Schule einen Tag der offenen Tür an für die späteren Erstklässler mit ihren Kindergärtnerinnen, die auch zum folgenden Schulfest eingeladen sind.

Ab jetzt werden besser Deutsch sprechende türkische Kinder in die Regelklassen integriert. Dazu existiert weiterhin eine türkische Klasse, aber mit deutschem Klassenlehrer bei Erstsprache Deutsch. Neben dem Silentium für türkische Schüler wird nun auch eine Hausaufgabenhilfe für alle Schüler eingerichtet .

Es wird gegen Gewalt auf dem Schulhof vorgegangen. Spielgeräte für den Pausenhof werden beschafft, eine Unterrichtsstunde im Monat wird genutzt, um den Kindern Anleitungen zur Pausengestaltung zu geben.

1982 erfährt der Schulsport einen harten Schlag. 50% aller Sportarbeitsgemeinschaften werden aus Spargründen gestrichen. Unsere Schule trifft es schwer: Die Sportübungsleiterin wird abgezogen, die Spitzenleistungen der letzten Jahre besonders im Schwimmen gehen in den kommenden Jahren wieder in die Breite.

Es wird weiterhin ins Schullandheim Bronsfeld gefahren, aber schon über einige Jahre nur 5 Tage lang. Bald weicht man auf verschiedene andere Heime aus. Der Brauch des Schullandheimaufenthalts wird sich jedoch hartnäckig halten.

Seit 1982 müssen die Eltern einen Eigenanteil für die Anschaffung von Lernmitteln bezahlen. Die Schulküche unserer Schule wird auf Vordermann gebracht, um sie für gutes Backen, Grillen und Kochen wieder benutzbar zu machen.

Hausmeister Langhoff richtet das Areal zwischen Schulgebäude und Turnhalle mit Hilfe des Grünflächenamtes als Schulgarten her. Für einige Jahre betreuen Schüler und Lehrer die selbstangelegten Beete und ernten die Früchte ihrer Arbeit.

Ab dem Schuljahr 1983/84 gibt es keine türkischen Klassen mehr, die Kinder sind vollständig in die Regelklassen integriert, mit entsprechender zusätzlicher Förderung.

Der jährliche Lehrerausflug ist diesmal etwas ganz Besonderes: Eine Schnitzeljagd, wie man sie sonst nur für Kinder ausdenkt. Man ist sehr angetan, möchte aber nicht, dass Fotos öffentlich gemacht werden. Die erste Schulzeitung für Kinder und Eltern, gestaltet von Schülern und Lehrern wird aufgelegt.

Mit der Pensionierung des alten Rektors Herrn Wolke und der Einsetzung des neuen Rektors Herrn Maaßen beginnt der 5. Lebensabschnitt unserer Schule.

1984 werden wiederum in Zusammenarbeit von Eltern, Lehrern und Schülern der Schulhof und die Pausenhalle verschönert. Es beginnt der erste Sprachkurs für türkische Mütter, geleitet von Frau Varol. In der "Stunde der offenen Tür" lernen - jetzt außerhalb eines Schulfestes - Kindergartenkinder ihre künftige Schule mit einem Klassenraum kennen. Sie werden mit Kakao und frisch gebackenen Waffeln verwöhnt.

Erwähnenswert ist die Schaffung eines Lesewettbewerbs in unserer Schule: Mit Vorausscheidung in den Klassen und Endausscheidung in der Aula mit Begleitprogramm, bewertet von einer Lehrerjury, später von einer Elternjury.

Die musikalisch umrahmte Siegerehrung mit Buchgeschenken erfolgt in der Stadtbücherei auf dem Franz Lenze-Platz.

Ein Spiel- und Sportnachmittag auf dem Sportplatz der DJK Vierlinden findet an Stelle des Schulfestes regen Zulauf. Die "Vereinfachte Ausgangsschrift" wird eingeführt, als Pflicht für die 1. Klassen, als Angebot für die höheren Klassen.

1986 wird vor dem Schulfest und auf das Schulfest hin eine Projektwoche durchgeführt. Thema sind "Närrische Streiche" von Max und Moritz, Nasrettin Hoca und Till Eulenspiegel. Auf dem Fest werden selbstgebaute Theaterstücke dazu aufgeführt. 1988 geht unsere langjährige Schulsekretärin Frau Much in den Ruhestand und die neue Schulsekretärin Frau Szymaniak - mit längerer Zwischenpause bis heute - beginnt ihre Arbeit.

Bemerkenswert ist der Richtlinien-Impuls "Wochenplan/Freie Arbeit". Darin wird den Schülern in einem gewissen Rahmen mit angebotenen Arbeitsmitteln selbstständiges Planen und Arbeiten je nach ihren individuellen Fertigkeiten ermöglicht. Auch dürfen sie sich nach dem Erledigen der Aufgaben selbst belohnen.

Der Schulhof wird vollständig asphaltiert und die Grünfläche erweitert.

Eine einmalige kulturelle Veranstaltung findet, von den Schülern und Lehrern vorbereitet, in der Elisabethkirche statt: das Adventskonzert. Das Programm ist sehr vielseitig wie umfangreich: Lieder, Gedichte, Flötenstücke, Spielszenen, Chorvortrag in Verbindung mit Orgelspiel, Hörnerklang und Gemeindegesang. Das Konzert ist gemeinsam für Schulgemeinde und Pfarrgemeinde gedacht. Es ist ein Höhepunkt schon länger bestehender und weiter fortdauernder musikalischer Aktivitäten von Chor und Blockflöten an unserer Schule.

Ein weiteres interessantes Ereignis im Jahre 1989 ist der Fahrrad-Parcours des ADAC für die 3.und 4.Klassen. Mit den zur Verfügung gestellten Lernmitteln und Aufbauten und meist auf eigenen Fahrrädern werden von den Kindern die Aufgaben ausgeführt.

Die einzelnen Fahraufgaben sind so gestaltet, dass wesentliche Fahrtechniken - exaktes Bremsen, Linksabbiegen, Ausweichen usw.- geübt werden. Als Belohnung werden Aufkleber und Siegerurkunden verteilt. Eltern sind nicht nur als Punktrichter, sondern auch fürs leibliche Wohl wie Kuchen und Grillessen engagiert.

Im kleinen Rahmen wiederholt sich diese Veranstaltung in späteren Jahren.

1989 ist ein sehr erfolgreiches Sportjahr. Unsere Schulmannschaften erringen den Titel des Bezirksmeisters im Basketball, im Schwimmen und im Fußball.

Wiederum folgt nach einer Projektwoche, die sich mit den Themen märchenhafter Kinderbücher beschäftigt, ein Schulfest, an dem auch Theater gespielt und getanzt wird.

Überhaupt nehmen eigene Theateraufführungen und Auftritte von Kindertheater-Ensembles einen wichtigen Platz im Schulleben ein.

Ein unerwartetes Phänomen - wo früher doch das Gegenteil der Fall gewesen ist - trifft unsere Schule. Für einige Jahre besteht, auch durch die weit geringeren Schülerzahlen bedingt, eine Überbesetzung an Lehrern. Einige Kolleginnen müssen zu anderen Stellen wechseln.

1992 läuft eine Projektwoche mit dem Thema "Wir sind alle Kinder dieser Erde". Die Ergebnisse wie Schautafeln, Tänze, Schattenspiel, Vorlese-Ecke, Gerichte nach internationalen Rezepten werden danach auf dem Schulfest vorgestellt.

Tendenz steigend: die Schülerzahl erhöht sich wieder.

Ab 1995 zieht der Computer in die Schulen ein, erst bei Schulleitung und Sekretariat, später auch in die Klassen. Ein letztes Mal läuft der Martinszug unter ungünstigen Bedingungen ab. Nachdem in den Jahren zuvor nur Fackelkreis statt Martinsfeuer, Ausfall wegen Regens oder Notstand an Ross und Reiter die schlechten Nachrichten sind, werden diesmal während des Zuges in der Schule Schlösser aufgebrochen und 1000 DM gestohlen.

1996 findet eine Projektwoche zum Thema "Erfahren der Sinne" statt. Die Ergebnisse werden nach ihrem Abschluss den Eltern und Mitschülern vorgestellt.

1997 wird die erste Betreuungsgruppe für die Schulkinder gegründet, die von Eltern geleitet wird. Es geht um die Einführung der "Verlässliche(n) Halbtagsschule". Die Kinder werden vor und nach der Unterrichtszeit beaufsichtigt, mit ihnen wird gespielt und gebastelt.

Unsere Schule am Übergang der Jahrtausendwende

Mit dem Ende der 90er Jahre des letzten Jahrtausends kommen auf die Grundschulen große Herausforderungen zu. Mehr und mehr werden von außen Forderungen an Schule herangetragen. Schule soll selbstständiger werden, Schule soll sich viel stärker dem Wettbewerb mit anderen Schulen und mit anderen Nachbarländern stellen.

Vieles an unserer Schule was sich bewährt hat, versucht die Schulgemeinde zu erhalten. Was an Neuem gefordert wird, wird versucht mit Bewährtem zu verschmelzen statt es zu ersetzen.

Ich könnte eine Menge an Aktivitäten der letzten Jahre auflisten und damit diese ganze Seite füllen von der morgendlichen Sprachförderung, den Kontakt zu einer holländischen Grundschulen, den vergangenen drei großen Schulfesten (Spielefest, der 70. Geburtstag der Schule, das Herbstfest), die zahlreichen Baumaßnahmen, die Umgestaltung der Schule zu einem farbenfroheren Haus des Kindes, die Einrichtung einer Bücherei, eines Computerraumes, die Neugestaltung der Küche, der verbesserte Kontakt zu den Kindergärten, die erhebliche Ausweitung der Elternarbeit, das Ringen um gemeinsame Erziehungsvereinbarungen von Lehrern, Eltern und Kindern und und und.

Ob es uns gelungen ist oder gelingen wird, gute Tradition zu bewahren und sinnvolles Neues zu bauen, zeigt sich immer erst im Abstand vieler Jahre.

Unsere Schule ist eine offene Ganztagsschule

Unsere Schule ist seit zwei Jahren eine offene Ganztagsschule. Wir arbeiten mit dem Düsseldorfer Verein Aktion Kind und Kultur e.V. (AKKI) zusammen. Kinder können täglich bis 16.00 Uhr in der Schule neben dem Unterricht spielen, ihre Hausaufgaben erledigen, zu Mittag essen, ihre Freizeit verbringen und aus den Projektangeboten vom Malen, Theater spielen, Tanzen, Jonglieren bis hin zum Werken oder Filmen wählen. Zu den 15 Lehrerinnen ist eine Vielzahl von Betreuerinnen, Erzieherinnen und Künstlerinnen und Künstlern als Personal in die Schule dazugekommen. Aus 15 Personen, die mit Kindern an unserer Schule arbeiten, wurden 30.

Der anerkannte Professor Thomas Rauschenbach von der Universität München hat zur Ganztagsschule in einem Vortrag nach einem Jahr erster Erfahrungen in Deutschland vor vielen Fachleuten Folgendes gesagt:

"Das Projekt Ganztagsschule ist, davon bin ich überzeugt, der folgenreichste Eingriff in das System Schule in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Vielleicht wird dies erst aus der Distanz und im Nachhinein sichtbar werden. Ich kenne jedenfalls kein ähnlich gelagertes Unterfangen, das die Lern- und Lebenswelten aller beteiligten Akteure, der Kinder und ihrer Familien, der Lehrkräfte sowie des nicht-unterrichtenden Personals - so nachhaltig verändert, wie dies mittelfristig beim Projekt Ganztagsschule der Fall sein dürfte. Und ich kenne kein pädagogisches Projekt, das so ambitioniert ist, dass es fast alle zur Verfügung stehenden pädagogischen Instanzen für das Kindes- und Jugendalter mobilisiert - vom Kindergarten über die Schule bis zur Jugendarbeit (...).

Familien, ergänzt um die real existierende Halbtagsschule, reichen als Orte des Aufwachsens, des Lernens und der Bildung nicht mehr aus, um den Anforderungen an Bildung, Betreuung und Erziehung des 21. Jahrhunderts gerecht zu werden."

Das hört sich sehr theoretisch an. Wer mit Kindern arbeitet, muss aber zuallererst Praktiker sein.

Ob es uns wirklich gelingt, Schule zu einem Lebensraum für Kinder zu machen, in dem gerne und gut gelernt wird, in dem Freizeit verbracht wird und in dem Pädagogen wie Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Sozialpädagogen Hand in Hand arbeiten und Eltern ihre Kinder nicht nur gut versorgt wissen, sondern selber noch dazu beitragen, indem sie sich für Schule interessieren und aktiv mithelfen, liegt nicht nur in unserer Hand.

Aber ist dies ein Grund, sich nicht auf den Weg zu machen?

In den ersten 20 Jahren des neuen Jahrtausends hat sich unsere Schuel grundlegender gewandelt als je zuvor. Die Gründung der offenen Ganztagsschule in NRW haben wir quasi als Versuchskaninchen 2003 aktiv mitgestaltet. In 2011 kam dann die Etablierung der Schulsozialarbeit hinzu. 2012 wurden wir Schule des Gemeinsamen Lernens und haben uns aktiv gestaltend der Integration von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf gestellt. Viele dieser Veränderungen führten zu einem deutlichen Anwachsen der pädagogischen Personals. Begleitet wurden die Prozesse durch vermehrte Kooperationen zum Beispiel mit dem Münchner Verein Brotzeit e.V., die unseren Kindern kostenloses Frühstück ermöglichen, durch die Teilnahme am EU-Schulobstprogramm, mit der Musik- und Kunstschule Duisburg im Jekits-Programm und darüber hinaus, durch die Vernetzungen mit Sportverein und Kirche sowie Moschee, mit dem Kulturforscherprojekt, das uns Begegnungen mit den Duisburger Museen, dem Theater oder der Deutschen Oper am Rhein ermöglicht ....

Aus einem einst übersichtlichen LehrerInnenkollegium mit etwa 20 Lehrkräften ist eine Dorfgemeinsachft von mehr als 80 Erwachsenen geworden, die sich um Unterricht, Erziehung, Fürsorge und Betreuung um unsere Schulkinder kümmern. Das was im Kindergartenbereich mit der Gründung der Familienzentren ab etwa 2010 vom Familienministerium installitert wurde, haben wir als Stadtteilschule im schulischen Bereich parallel umgesetzt.

In all dieser Zeit ist unsere Schule zudem wieder deutlich gewachsen. Nachdem es vorübergehend um 2010 nach einem deutlichen Schülerrückgang aussah und die Stadt Duisburg Grundschulen schloss (die ehemalige Grundschule Goerdeler Straße und die Ochtropschule) steigen die Geburtenzahlen und die Klassen sind voll. Nun stehen wir an der Schwelle zu einem Ausbau hin zu einer großen vierzügigen Grundschule, die neue Räumlichkeiten erhalten soll. Wie an so vielen Weggabelungen ist auch diese eine, die unserer Schule Möglichkeiten bieten, endlich auch räumlich zukunftsfähig zu werden damit das gelingt, was unsere Schule schon immer prägte: eine gesunde Mischung aus Tradition und Moderne.