
Im Februar 2007 wurden alle Klassensprecher und die Stellvertreter zu einer Klassensprecherversammlung eingeladen. Zusammen mit dem Schulleiter wurde darüber beraten, was wir an unserer Schule verbessern können. Vor allem über Ideen gegen Gewalt wurde beraten. Schließlich sprechen die Eltern und die Lehrer oft darüber, wie sie etwas gemeinsam für unsere Schule tun können, da wurde es höchste Zeit, dass auch die Kinder ihre Ideen noch besser einbringen können.
Herr Steuwer wollte auch Anregungen haben, was wir mit dem Fundgeld tun sollen, das zur Zeit in der Sparbüchse im Schulbüro gesammelt wird.
Die Klassensprecher aus allen Klassen waren vertreten - vom 1. bis zum 4.Schuljahr. Die Kinder erfuhren nebenbei, was eine Rednerliste ist, warum man eine Tagesordnung braucht und dass jemand Protokoll führen muss, damit gute Ideen nicht vergessen werden.
Auf Vorschlag von Marie soll die Klassensprecherversammlung einmal im Monat tagen.
Das nächste Mal sollen die Ideen für ein friedliches Miteinander und auch was den Kindern sonst am Herzen lag, gesammelt und geordnet werden.
Ein Beschluss zum Fundgeld wurde gefasst. Künftig soll das Geld am Ende des Jahres der katholischen Kirchengemeinde für arme Kinder in anderen Ländern gespendet werden. Der Vorschlag, eigene Spiele für die Schule anzuschaffen, unterlag damit mit 3 zu 21 Stimmen.
Mittlerweile werden die Klassensprecherinnen und Klassensprecher 3-4 mal im Jahr vom Schulleiter eingeladen. Im Herbst 2008 haben sie Vorschläge gemacht, was auf dem Schulhof verändert werden könnte, damit die Kinder genügend Spielmöglichkeiten haben.
Herr Steuwer als Schulleiter hat sich um Hilfe an Architekten und den Oberbürgermeister gewandt. Vielleicht werden manche gute Ideen schon im Herbst 2009 Wirklichkeit. Gute Ideen sind aber oft nicht umsonst. Spielmöglichkeiten kosten Geld. Die Kinder haben viele Ideen gesammelt, wie wir Geld verdienen können. Manche davon lassen sich verwirklichen, manche nicht. Die Idee, einen eigenen Trödelmarkt zu machen und einen Teil des Geldes für den Schulhof zu spenden, war eine gute Idee. Der Tröderlmarkt 2009 brachte immerhin fast 400 Euro Gewinn ein.
Mittlerweile treffen sich Klassensprecher und Schulleiter etwa alle zwei Monate regelmäßig. Protokoll und Rednerliste führen die Kinder. Besprechungspunkte schlagen Kinder oder Herr Steuwer als Schulleiter vor.
Im April 2008 wird gerade ein sehr wichtiges Thema besprochen. Darf man in der Schule türkisch sprechen oder nicht. Die Kinder tauschten sehr fair unterschiedliche Standpunkte aus. Die Gespräche waren gegenseitig respektvoll und es gab Verständnis für beide Standpunkte. Manchmal schlugen zwei Seelen in ein und der selben Brust.
Ihre Ideen und Meinungen schrieben die Klassensprecher auf rote und grüne Nein- oder Ja- Zettel. Am Ende gab es gleich viele Argumente dafür und dagegen.
Klar ist : Im Unterricht sprechen wir überhaupt nicht türkisch, außer es ist Türkischunterricht.
In der Pause gibt es schon mal Streit, wenn Kinder durch eine Sprache andere Kinder ausschließen. Aber es gibt auch Kinder, die noch nicht so gut deutsch sprechen und sich in ihrer Muttersprache sicherer fühlen.
In einem sind sich alle einig. In Deutschland müssen wir gut deutsch sprechen können, egal welche Sprache wir zuerst gelernt haben. Und: Eine andere Sprache zu können ist fast genauso wichtig, egal ob englisch, türkisch, bosnisch oder spanisch.
Im November 2009 sammelten die Klassensprecher aller Klassen gemeinsam mit Herrn Steuwer, dem Schulleiter, Ideen, wie die Kinder in der Hofpause Streit besser vermeiden oder regeln können.
In einem waren sich alle einig: Wenn wir mehr Spielmöglichkeiten haben, können Kinder leichter Streit aus dem Wege gehen. Gleich mehrere Wünsche mussten gemeinsam unter einen Hut gebracht werden. Die Fußballkinder brauchen mehr Zeit und Platz, dürfen aber nicht anderen Kindern den Raum nehmen. Die anderen Kinder müssen mehr Spielangebote haben.
Es wurden etliche Ideen gesammelt, die nun in die Klassen getragen werden sollen:
Die Fußballzeiten sollen eingeschränkt bleiben, es soll aber jeden Tag eine Fußballzeit geben. Zu dem Kleinkinderspielplatz neben der Turnhalle soll ein Seilchenhüpfspielplatz hinter dem Zaun neben dem Lehrerparkplatz kommen.
Fußball darf nur auf dem Asfalt gespielt werden, auf den beiden Spielfeldern oder auf eigenen gebauten Spielfeldern. Auf dem Rasenspielplatz spielen die Kinder, die gerne klettern wollen. Für den Sandkasten der Sprunggrube soll Sandspielzeug angeschafft werden.
Außerdem erhalten die Klassensprecher für ihre Klassen zum Teil größere Halt-keine-Gewalt-t-Shirts und jede Klasse bekommt für die Pausenspielkiste neue Spielmaterialien.
Jetzt müssen die Ideen mit den Klassenlehrern und den anderen Kindern in der Klasse besprochen werden.
Das bunt bemalte Klettergerüst gehört mit dem neu gestalteten Spielhügel und dem Spielschiff auf dem Spielplatz der Kleinen zu den Ideen, die durch Einsatz der Klassensprecher im Jahr 2008 geschaffen wurden.
Im Dezember 2010 haben die Klassensprecher Ideen gesammelt, wie wir Kindern helfen können, denen es nicht so gut geht.
Herr Steuwer hat daran erinnert, dass weiterhin gefundenes Geld im Büro abgegeben werden soll. Das spenden wir immer zum Martinstag der Kirchengemeinde St.Elisabeth. In diesem Jahr können von den ehrlich gefundenen und abgegebenen 75 Euro zwei Winterjacken für Kinder aus Armutsverhältnissen in unserem Stadtteil gekauft werden.
Gute Ideen hatten die Kinder als es darum ging, einer armen mexikanischen Dorfschule zu einer kleinen Bücherei zu verhelfen und einem Kinderkrankenhaus in Nicaragua Spielzeug zur Verfügung zu stellen.
Vor Weihnachten soll Herr Steuwer in einem Elternbrief die Eltern informieren, die Kinder können in einem Sparschwein im Büro für spanische Bücher spenden oder Buchspenden und Plastikspielzeug abgeben.
Die Klassensprecher kümmern sich darum, dass alle Kinder der Schule davon erfahren.
Durch den Einsatz von Groß und Klein kamen schließlich mehr als 400 Euro zusammen, die der mexikanischen Schule gespendet werden konnten.
